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16.06.2018

16.06.2018: »Ich sehe was, was Du (so) nicht siehst«

8. Psychosomatisches Symposium: Ich-strukturelle Störungen, Interpersonalität und Multiperspektivität in der (Gruppen-)Psychotherapie

Samstag, 16. Juni; 8:45 - 16:00 Uhr, Psychosomatische Klinik, Städtisches Klinikum Görlitz

Gegenwärtig finden wir uns in einer komplexer gewordenen gesellschaftlichen Situation vor, in der es zu emotionalisierten Polarisierungen und Nicht-mehr-miteinander-Sprechen von gesellschaftlichen Gruppen gekommen ist. Gewissermaßen im überschaubaren Kleinformat, kommt es in bestimmten Phasen des gruppenpsychotherapeutischen Prozesses in der stationären Psychotherapie zu ähnlichen Phänomenen. Hier gelingt es oft besser, den emotionalen Hintergrund von polarisierenden, spaltenden, radikalisierenden und zu Feindbildern wie auch zu Rückzug führenden psychologischen Prozessen zu verstehen. Kommt es dann im Therapieverlauf zum Entdecken einer akzeptierenden Multiperspektivität, zur Entwicklung von Ambivalenz- und Ambiguitätsfähigkeit, entsteht eine ganz neue Qualität des Miteinanders. Im Mikrokosmos der stationären Psychotherapie vollzieht sich modellhaft ein Prozess, wie ihn unsere Gesellschaft vermehrt in vielen Feldern benötigt.

Dieses gesellschaftliche wie auch individuelle Spannungsfeld greift das Symposium mit seiner Themenstellung auf. Die modernen Weiterentwicklungen der psychodynamischen Psychotherapie – die psychoanalytisch-interaktionelle Methode (PIM), die übertragungsfokussierte Behandlung (TFP) wie auch die mentalisierungsbasierte Therapie (MBT) mit ihren speziellen Ansätzen und Interventionen – haben sich dabei als besonders hilfreich erwiesen. Sie haben im Bereich der Therapie von Persönlichkeitsstörungen eine gute Effektstärke bewiesen. Sie fördern die Entwicklung von Ich-struktureller Verbesserung, Interaktionskompetenz, Selbstreflexions- und Mentalisierungsfähigkeit. Strukturbezogenes und konfliktbezogenes Vorgehen sind hier in unterschiedlicher Weise integriert und gewichtet. Im Symposium wird das "Prinzip Antwort" (PIM) im Gegenüber zum tradierten "Prinzip Deutung", die detektivisch-neugierige, respektvolle Haltung des Nichtwissens (MBT) wie auch die aus dem Hier und Jetzt der jeweiligen therapeutischen Situation gewonnene Übertragungsdeutung (TFP) von prominenten Vertretern der Richtungen dargestellt.

Mit der Fähigkeit zum Perspektivenwechsel hinsichtlich der eigenen Person und Situation aber auch Anderen gegenüber öffnet sich gelegentlich noch eine besondere Qualität: Humor. Die Fähigkeit zum Humor als späte Frucht der Entwicklung eines reifen Selbst hat die Philosophie und besonders die Selbstpsychologie beschäftigt und wird den Abschluss des Symposiums bilden.

Das 8. Psychosomatische Symposium hat mit seinem Thema einen klinischen Schwerpunkt, der sich um die grundlegenden therapeutischen Schritte in der Therapie von ich-strukturell beeinträchtigten Patienten zentriert. Dabei werden psychologische Prozesse hervorgehoben, die aber die menschliche Kommunikation generell prägen. Die Vorträge und Workshops des Symposiums weisen aber zugleich - wohlwissend, dass die psychologische und interpersonelle Perspektive nur eine der wichtigen ist - auf die Notwendigkeit der Entwicklung reiferer Kommunikationsfähigkeit in der Gesellschaft insgesamt hin und Wege zu deren Entwicklung auf.

Seien Sie herzlich eingeladen!

Für das Team der Psychosomatischen Klinik

Hans-Martin Rothe

Programm

Konferenzzentrum über dem Haupteingang

08:45 Uhr Begrüßung und Einführung ins Thema

09:00 Uhr Therapie mit Neugier und auf Augenhöhe: Mentalisierungsbasierte Therapie (MBT) im Einzel- und Gruppensetting (Dr. med. Thomas Bolm, Stuttgart)

10:00 Uhr Die Bearbeitung des inneren Dramas auf der aktuellen Bühne der therapeutischen Beziehung: Die übertragungsfokussierte Psychotherapie (TFP) im Einzel- und Gruppensetting (Dr. Mathias Lohmer, Dr. med. Corinna Wernz, München)

10:45 Uhr Kaffeepause

11:15 Uhr Das Ich wird am Du - Therapie im antwortenden Modus: Psychoanalytisch-interaktionelle Therapie (Prof. Dr. med. Hermann Staats, Potsdam)

12:15 Uhr Die Entwicklung der Fähigkeit zum Humor (PD Dr. med. habil. Thomas Reuster, Görlitz)

12:40 Uhr Humor ist, wenn man es auch anders sehen kannMultiperspektivität aus entwicklungspsychologischer Sicht (Dr. med. Hans-Martin Rothe, Görlitz)

13:00 Uhr Mittagspause

Konferenzzentrum über dem Haupteingang und Haus M

14:00 bis 16:00 Uhr Workshops:

MBT in der praktischen Anwendung: Mentalisierung fördern (oder blockieren) (Dr. med. Thomas Bolm)

Keine Angst vor der Konfrontation: TFP in klinischen Beispielen (Dr. Mathias Lohmer, Dr. med. Corinna Wernz)

Die Facetten des "antwortenden Modus" in der psychoanalytisch-interaktionellen Methode: klinische Beispiele (Prof. Dr. med. Hermann Staats)

Die Teilnahme an der Fortbildung wird mit acht Fortbildungspunkten bei der Sächsischen Landesärztekammer anerkannt.

Anmeldung: Vortragsvormittag, incl. Kaffeepause 40,- €

Vortragsvormittag mit Workshop incl. Kaffeepause u. Pausengetränk 60,- €

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