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Mentalisieren und
Mentalisierungsbasierte Therapie (MBT)

Was ist Mentalisieren?

Wenn wir MENTALISIEREN, erforschen wir, wie unsere Psyche funktioniert. So fragen wir uns zum Beispiel:

  • Was geht in uns vor, so dass wir so empfinden, wie wir es tun?
  • Was geht in der Psyche von anderen vor, dass sie sich so verhalten, wie sie es tun?
  • Meint der andere wirklich, was er sagt?
  • Welche Gefühle hat er und welche habe ich?
  • Welche Reaktionen ruft eine bestimmte Handlung oder Situation in anderen oder in mir selbst hervor?

Es geht beim Mentalisieren also darum, was wir fühlen und denken und warum wir uns genau so verhalten, wie wir es tun. Gleichzeitig dreht es sich darum, was andere fühlen und denken und warum sie sich auf eine bestimmte Weise verhalten, und wie wir unsere Beziehungen zu anderen erleben und verstehen. Das trägt dazu bei, dass der Umgang mit unseren Gefühlen, Gedanken, Bedürfnissen und Impulsen gelingt und dass wir eine gute Selbstfürsorge und gelingende Beziehungen zu anderen realisieren können. Deshalb ist Mentalisieren eine unserer wichtigsten Fähigkeiten, um psychische oder zwischenmenschliche Problemen zu verhindern oder wieder aus ihnen herauszufinden.

Verhalten wir uns auf eine spontane und natürliche Weise, sei es allein oder beim Umgang mit anderen, dann reagieren wir, ohne viel nachzudenken und nehmen bestimmte Rollen im Gespräch oder bei gemeinsamen Aufgaben ein. Dabei machen wir automatisch fortwährend Annahmen darüber, warum andere etwas sagen oder sich auf bestimmte Weise verhalten, wir fühlen uns verstanden. Wir müssen uns dafür nicht anstrengen und merken meist nicht einmal, dass wir ständig mentalisieren.

Beispiele für Mentalisieren:

  • Ein weinendes Kind trösten
  • In einem beruflichen Konflikt vermitteln
  • Um einen Kaufpreis verhandeln
  • Ein Missverständnis mit dem Partner klären
  • Über die berufliche Perspektive nachdenken

Nur wenn unsere Umgebung, unsere Psyche oder unser Körper auf unerwartete Weise reagiert, sind wir überrascht. Wir halten dann inne und fragen uns: "Was passiert hier gerade?" Im Umgang mit anderen beschäftigt uns: "Habe ich mich verständlich ausgedrückt? Hat sie oder er wirklich begriffen, was ich meinte? Ich versuche es nochmal". In solchen Momenten greifen wir zurück auf die Fähigkeit zum expliziten Mentalisieren. Wir fragen zum Beispiel: "Wie kommst Du darauf?"

Meist achten wir auf die Augen, den Gesichtsausdruck und den Klang der Stimme oder die Haltung, um herauszufinden, was im anderen vor sich geht. Davon ausgehend schließen wir auf seinen inneren Zustand. Doch wir können uns von außen nie sicher sein, was die Person in ihrem Inneren erlebt, und so können eine Menge Missverständnisse entstehen. Da hilft kein Raten sondern nur Fragen, z. B.: "Fühlst Du Dich traurig [verärgert, verängstigt, aufgeregt, etc.]?"

Manche Menschen können extrem besorgt sein, weil sie sich nicht mehr selbst verstehen, andere vielleicht, wenn sie unsicher, misstrauisch oder argwöhnisch gegenüber Unbekannten sind. Das dann entstehende panische aber letztlich fruchtlose Suchen nach Erklärungen und Hintergründen, führt nicht weiter, weil in solchen Zuständen die Verbindung zwischen Denken und Fühlen fehlt. Eine ähnliche Sackgasse entsteht durch rein kognitives Erkennen und Verstehen ohne emotionale Beteiligung und ohne Konsequenzen im Erleben und Handeln. Mit Hilfe des Mentalisierungskonzepts können solche Irrwege rechtzeitig erkannt werden.

Mentalisieren hält gesund

Grundsätzlich ist die Fähigkeit zu mentalisieren bei Menschen unterschiedlich stark ausgeprägt, kann aber zu jeder Lebensphase noch gestärkt werden. Mentalisieren trägt nachweisbar dazu bei,

  • dass eine hohe Widerstandskraft (Resilienz) gegen Stress und andere belastende Erlebnisse entsteht,
  • dass auf Stress gesund und nicht mit Depression, Panik, Zwängen, psychosomatischen Erkrankungen, Verlust der Impulskontrolle (Wutausbrüche, Selbstverletzung, Suizidversuche) oder Sucht reagiert wird,
  • dass Beziehungen und Freundschaften eingegangen und gut fortgeführt werden können,
  • dass Ausbildung und berufliche Integration besser gelingen,
  • dass der Umgang mit Krankheiten und deren Behandlung besser funktioniert.

 

 

Mentalisierungsbasierte Therapie

Grundsätzlich ist die Fähigkeit zu mentalisieren bei Menschen unterschiedlich stark ausgeprägt, kann aber zu jeder Lebensphase noch gestärkt werden.

Das Mentalisierungskonzept hilft: bei Prävention und Beratung und beim Verstehen und Behandeln psychischer Krisenzustände und Erkrankungen. Dies gilt für verschiedene Therapieschulen (z. B. Psychoanalytische und tiefenpsychologisch fundierte Therapie, Verhaltenstherapie, systemische Familientherapie, u. a.), für Einzel- wie auch für Gruppentherapien, für verbale, künstlerische oder körpertherapeutische Ansätze, auch für Entspannungs- und Achtsamkeitstrainings.

Konsequent zur Behandlungsmethode ausgeformt ist das Konzept in Form der Mentalisierungsbasierten Therapie (MBT). Sie wurde in London von Peter Fonagy, Anthony Bateman und deren Arbeitsgruppe zu einer effektiven und inzwischen weltweit anerkannten Methode entwickelt. Der Chefarzt von MentaCare, Dr. Thomas Bolm, führte MBT ab 2004 im deutschsprachigen Raum erstmalig ein, übrigens im Haupthaus unseres Trägers, im Klinikum Christophsbad in Göppingen. Mit zunehmender Bekanntheit folgten bald andere Einrichtungen dem Beispiel. Und schließlich ist auch MentaCare, der Name unserer Einrichtung, abgeleitet von der Förderung des Mentalisierens.

"Erst war es sehr hart zu erkennen, dass ich gefangen darin war, Nähe kaputt zu machen, wenn ich jemanden mochte. Aber ich habe mich durch die offene Haltung hier verstanden und bestärkt gefühlt weiterzumachen. Die Therapeuten sind keinem Problem aus dem Weg gegangen! Und dann habe ich mich richtig befreit gefühlt, als ich merkte, wie ich mich immer öfter anders gegenüber Männern verhalten konnte als die letzten 15 Jahre. Auf einmal bekam ich wieder Hoffnung, dass es mit Partnerschaft und eigener Familie doch noch etwas werden könnte." (Jessica, 36, Juristin)

MBT wird den psychodynamischen Verfahren zugerechnet, enthält aber seine besondere Ausprägung durch die konsequente Realisierung des Mentalisierungskonzepts. Beeindruckend positive und nachhaltige Effekte bei der Behandlung von schweren (Borderline-) Persönlichkeitsproblemen und komplexen Traumafolgestörungen bei Erwachsenen und Jugendlichen führten inzwischen zur Weiterentwicklungen für andere Zielgruppen, die ebenfalls bei MentaCare behandelt werden: Depressionen, Angst- und Zwangsstörungen, Essstörungen, psychosomatische Erkrankungen. Auch problematischer Suchtmittelgebrach oder anderes süchtiges Verhalten kann als Mentalisierungsstörung verstanden werden. Es kann dann bei MentaCare mitbehandelt werden, wenn es nicht im Vordergrund der Problematik steht.

"Ich wusste gar nicht, wohin mit meinem Leben, ich hab echt nur Party gemacht, gekifft und jede Nacht am Bildschirm geklebt. Bis meine neue Freundin dahinter kam. Ich wollte sie nicht verlieren, also habe ich mit den Drogen und den Games aufgehört. Da habe ich erst gemerkt, wie besch... es mir ging.

Es ist krass, wie ich mich verändert habe, seit ich hier bin, ich bin viel klarer im Kopf und auch körperlich fitter; mit meiner Freundin zusammen ist es richtig schön, und ich weiß jetzt, das ich weiter studieren will. Meine Therapeuten haben Klartext mit mir geredet, womit ich mein Leben und meine Therapie gefährde. Aber keiner hat mir hier Vorschriften gemacht, wie mein Weg auszusehen hat, ich sollte das selbst für mich herausfinden. Das ist anders als zuhause – mega-anstrengend, aber was anderes hätte ich auch nicht mitgemacht.

Das Gute ist jetzt, dass ich die MentaCare-Tagesklinik und mein Studium miteinander verbinden kann. In einem Monat mache dann ambulant weiter." (Julian, 24, Student)

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